Ganzheitlich entschlacken und aufbauen mit Ayurveda

16. Dezember 2010

Ayurveda lehrt uns die Zyklen des Lebens besser zu verstehen. Die dynamische Bewegung und Betonung der verschiedenen Doshas und Eigenschaften begleitet uns in allen Jahreszeiten, Tageszeiten und Lebensphasen. Je verbundener wir und mit dem eigenen Körper fühlen, umso intuitiver können wir die Zyklen des Lebens in uns erfahren und automatisch darauf reagieren.

Doch viele Menschen haben den Kontakt zu sich selbst und ihrem Körper verlohren, wir leben isoliert von der Natur, dem Klima und den anderen Wesenheiten, die unser Umfeld prägen. So sind die klassischen Empfehlungen des Ayurveda eine wertvolle Unterstützung, um den nätürlichen Bedürfnissen wieder näher zu kommen und Leib und Seele das zu schenken was sie brauen.

Das Frühjahr ist eine sehr intensive Jahreszeit für die körperliche Entgiftung und geistige Neuorientierung. Über den Winter hat sich jede Menge Kapha angesammelt, das dem Körper Schutz und Stabilität in der unwirtlichen Jahreszeit geschenkt hat. Mit den wärmenden Sonnenstrahlen des Frühling “schmelzen” unseren Kapha-Depos und kursieren nun im Organismus. Die weitverbreitete Frühjahrsmüdigkeit, Grippe und innere Trägheit machen sich breit. Nun ist es Zeit das angesammelte Kapha auszuscheiden und den Körper mit neuer Leichtigkeit und Vitalität zu beleben. Auf der geistigen Ebene ist das Frühjahr die Zeit der Neuorientierung und des Säens von tiefverwurzelten Lebensvisionen. Im Winter haben wir innerlich geschlummert und uns von den energetischen Voräten des Vorjahrs genährt. Nun geht es darum, neue Impulse in die Welt zu setzten. Die körperliche Entgiftung und geistige Erneuerung gehen Hand in Hand, unterstützen und fördern sich gegenseitig. Durch die Entschlackung lassen wir viele angestaute Emotionen und Überholte Strukturen los und schaffen Raum für die innere und äußere Erneuerung.

Entschlacken und Vitalisieren hat im Ayurveda eine alte Tradition, die die unterschiedlichsten Schwerpunkte und Aspekte berücksichtigt. Die klassische Frühjahrsreinigung dient mit all ihren Ernährungsempfehlungen und Reinigungsritualen der Reduktion von angesammeltem Kapha und Ama im KÖrper und wirkt besonders intensiv auf die Dhatus Rasa, Rakta, Mamsa und Ojas ein. Um ganzheitlich zu entschlacken ist es von großer Wichtigkeit den Körper in einen Zustand der Ruhe und Entspannung zu führen. Nur bei einem parasympatischen Zustand des Nervensystems ist der Organismus in der Lage Agni in einer Form aufzubauen, daß eine effektive Entgiftung und Zellerneuerung stattfinden kann. So sollten die klassischen 9 Tage der Frühjahrskur ohne berufliche Tätigkeit, geistige Anstrengung und alltägliche Verpflichtungen ablaufen. Der Organismus sollte wieder in seinen natürlichen Rhythmus von aktiven Wachphasen und beruhigenden Schlafphasen zurückfinden, das heißt ein bewußt gestaltetes Bewegungsprogramm mit Yoga, Spaziergängen und Atemübungen wechseln sich mit Ruhephasen im Liegen (nicht schlafen am Tag!) ab. Die Ernährung ist leicht, warm, anregend, bitter und ausscheidungsfördernd. Je nach Konstitution und Gesundheitszustand werden die einzelnen Speisen zubereitet, die Menge bestimmt und die Gewürze hinzugefügt.

Das in der westlichen und christlichen Kultur tief verankerte Fasten (ohne Essen) ist nur für Menschen mit ausgeprägter Kapha-Konstitution, einer Kapha-Störung oder Ama-Ansammlungen im Körper sinnvoll. Die reine Fastenzeit beträgt in diesem Falle 2-5 Tage und wird von warmen Getränken, Einläufen (Bastiabkochungen mit Öl) und Meditationsübungen begleitet. Die Ausbautage sind immer doppelt so lange wie die Fastentage selbst und der Diät besteht aus einer typischen Panchakarma-Kost mit Reis, Dal, süßlichen Gemüsen und wärmenden Speisen. Alles saure und kalte wird strikt gemieden. Das entscheidende einer erfolgreichen Aufbauphase ist die Menge des Essens, und hier gilt das einfache Moto je weniger umso besser. So sollte am ersten Aufbautag nur ca. ein zehntel der normalen Essensmenge gegessen werden und es darf nur ganz langsam gesteigert werden auf die normale Speisegröße.

Um das Agni ährend der Aufbautage in all seinen Funktionen anzuregen ist ein kontrolliertes Bewegungsprogramm sehr sinnvoll. Anregende Spaziergänge an der frischen Luft mit eingelegten Ruhephasen und ein dynamisches Yogaprogramm das täglich gesteigert werden kann sind die ideale Ergänzung der sehr spartanischen Aufbaukost nach dem Fasten. Die schwierigste Übung in dieser Zeit ist die Geduld. Viele Menschen die eine intensive Reinigungskur machen unterschätzen die Gefahren einer disharmonischen Aufbauphase und dem Überangebot an Streß für den Stoffwechsel. Sobald die eigentlichen Fastentag vorbei sind, möchten wir zu dem Alltag zurückkehren und übertreiben die äußeren Aktivitäten und das Essen. Doch der Erfolg einer Reinigungskur liegt vor allem in den Aufbautagen. Hier baut der Stoffwechsel seine neuen Aktivitäten auf und der gesamte Dhatuprozeß gewinnt neue Dynamik und Kraft.

Rasayanas und Kräuter unterstützen den individuellen Regenerationsprozeß auf sinnvolle Weise und sollten von einem erfahrenen Ayurveda-Therapeuten auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt werden. Besonders empfehlenswert sind in der Regel Ingwer, Methisamen, Brennessel, Kurkuma und Thymian. Menschen mit einer überwiegenden Pitta- oder Vata-Konstitution wird ebenfalls empfohlen im Frühjahr eine kleine Entgiftungskur zu machen. Doch die Maßnahmen sind weit weniger radikal und sollten sanft in den persönlichen Lebensablauf integriert werden. Die Reinigungszeit für Pitta-Menschen beruht vor allem auf einer Diät mit entsäuernden, bitteren und ausleitenden Speisen und Getränken. Agni muß aufgebaut werden und Pitta reduziert. Intensives Fasten treibt aber auch Pitta in die Höhe, so sind also nur kurzzeitige Fastenphasen angesagt, um Agni in seinen Funktionsweisen anzuregen. So sollte es am Vormittag nur eine sehr kleine Mahlzeit mit Reiswaffeln oder einer Hand voll Trauben geben, vor dem Mittagessen muß Agni so richtig hochbrennen, das der Magen knurrt und dann wird der Hunger mit Reis-Dal-Suppe und etwas Gemüse gestillt. Abends wie immer eine kleine Suppenmahlzeit aus bitteren Gemüsen und einer leichten Getreideeinlage. Kühlende, aber gekochte Gemüse, wie z.B. Schmorgurken, Zucchinie, Spinat sind optimal für die tägliche Entgiftung. Ebenso unterstützen Koriander, Kurkuma, Himbeerblätter, Methiblätter und Fenchel die ganzheitliche Entschlackung.

Ein tägliches Sportprogramm, abführen mit Rizinusöl und Ölmassagen mit Sonnenblumenöl sind eine wertvolle Ergänzung und helfen bei dem für Pitta entscheidenden Fastenpunkt: NICHT ARBEITEN. Die meisten Schlacken entstehen im Pitta-Organismus durch übermäßige geistige Anspannung und Streß. So heißt Fasten hier keine Energie in den Kopf zu geben, nicht über das Geschäft und die Arbeit nachzudenken, kein Handy dabei zu haben und keine Fachliteratur zu lesen. In den Aufbautagen ist es dann schrittchenweise wieder erlaubt, Gedanken, Visionen und Strukturen für das berufliche und private Handeln und streben zu entwickeln. Diese Gedanken sollten in einem Tagebuch festgehalten werden, um zum Abschluß der Frühjahrskur die fünf besten Ideen für den neuen Jahreszyklus auszuwählen und umzusetzen.

Menschen mit viel Vata kommen oft sehr erschöpft und ausgezehrt aus der kalten Winterzeit. So braucht der Körper einen Energieschub, um neue Kräfte zu sammeln und damit auch angesammeltes loszulassen. Strenges Fasten kann für Vata gefährlich werden und sollte nur unter medizinischer Aufsicht durchgeführt werden. Sehr viel besser ist es eine Erholungskur zu machen mit täglichen Ölmassagen, vitalisierenden Speisen und sanften Reinigungstechniken.Ganz toll wirkt ein Reinigungstag mit Gemüsebrühe und Reis-Dal-Suppe im Bett. Wenn das Frühjahr sehr kalt und verregnet ist, dann wird der Vata-Organismus jedoch trotz aller Mühe nichts vom Alten loslassen. Hier zu braucht es Sonne, Wärme und Urlaubsstimmung. So kann machmal eine Strandwoche auf den Kanaren besser als eine Entgiftungswoche in der Klinik sein, je nach dem wie das Wetter und die Umgebung auf das Gemüt und das körperliche Empfinden einwirkt. Aufbauende Rasayanas wie Safran, Vanille, Zimt, Nelke, Ashwaganda, Milch und Ghee sollten jedes Vata-Fasten begleiten und sind auch in der Folgezeit elementare Stützpfeiler der konstitutionsbezogenen Diät.

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